00:00:15: Die Kommission Arbeitsschutz und Normung wird von einem Verein getragen, dem Verein zur Förderung der Arbeitssicherheit in Europa – kurz VFA.
00:00:24: Dieser Verein trägt die Kosten der KAN zu einundfünfzig Prozent.
00:00:28: Die anderen neunundvierzig Prozent erhält die KAN als Fördermittel aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
00:00:36: Mitglieder im VFA sind die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen.
00:00:40: Die Gremien des VFa sind deckungsgleich mit denen der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung, auch der Geschäftshörer des VFA ist deckungsgleich mit dem der DGUV,
00:00:51: Dr.
00:00:51: Stephan Fasshauer. Ich freue mich sehr darüber dass er sich heute die Zeit nimmt und zu uns in den Podcast kommt.
00:00:58: Herzlich Willkommen liebe Hörerinnen und Hörer,
00:01:00: ich bin Katharina von Rymon Lipinski von der Geschäftsstelle der Kommission Arbeitsschutz und Normung. Und natürlich herzlich willkommen, Herr Dr.
00:01:07: Fasshauer!
00:01:08: Schön, dass Sie heute bei uns zu Gast sind.
00:01:10: Ja ganz herzlichen Dank und ich freue mich auch sehr, heute dabei sein zu dürfen.
00:01:15: Sie sind seit September 2025 der Hauptgeschäftsführer der DGUV.
00:01:21: Was haben sie vorher gemacht?
00:01:24: Puh, das ist natürlich ein doch ein recht reichhaltiges Leben vorher gewesen.
00:01:29: Ich vermute sie zielen mehr auf das berufliche ab, was auch an dieser Stelle, glaube ich, das Richtige ist.
00:01:35: Also ich bin im Prinzip schon ein Kind der Sozialversicherung.
00:01:39: Ich habe mich sogar schon damals in der Schule im Abitur zum Schwerpunkt Sozialpolitik eingesetzt und das dann auch als Schwerpunkten haben dürfen, hab dann im Studium der Volkswirtschaftslehre in Würzburg auch einen Schwerpunkt gehabt.
00:01:52: Sozialpolitik im Hauptstudium, war da an einem Lehrstuhl.
00:01:55: Habe dort die Sozialversicherung näher betrachten dürfen und ihre volkswirtschaftlichen Bedeutung mit allem was dazugehört.
00:02:03: Dann hat man festgestellt, wir sprechen da von einem ganz großen wichtigen volkswirtschaftlichen Element.
00:02:11: Was auch für unsere Gesellschaft von großer Bedeutung ist.
00:02:14: Dann bin ich zur Rentenversicherung, dort zu einem Verband nach Frankfurt und habe mich als Lobbyist tätig gemacht, ehe es dann ins Ministerium geht.
00:02:24: Im Arbeitsministerium oder Sozialministerium durfte ich bei vier Ministern mitwirken.
00:02:28: Das heißt, man ist von der Beratungsfunktion in die Gestaltungsfunktion gekommen.
00:02:32: Und von dort ging es weiter in die harte richtige Verwaltung und das war dann erst in Berlin-Brandenburg in der Geschäftsführung für die DRV Berlin-Brandenburg sieben Jahre und danach über sieben Jahre im Direktorium der Deutschen Rentenversicherung Bund.
00:02:48: Also Sie sehen meine Herkunft ist ganz tief geprägt von Sozialpolitik, Sozialversicherungen und letztlich auch von der tiefen inneren Überzeugung, dass wir alle in einem System hier arbeiten was unglaublich wichtig ist für unsere Gesellschaft im Zusammenhalt.
00:03:06: Was unglaublich wichtig ist für den sozialen Frieden und, das wir, glaube ich, einfach jeden Tag jeder auf seinem Platz etwas Gutes tut für unser Zusammenhalt.
00:03:15: Und ja das ist vielleicht so der kurze Rückblick auf mein bisheriges Dasein und wie gesagt seit einem Jahr bei der Unfallversicherung. Sehr, sehr spannend, wieder anders als die anderen Systeme und ich kann nur sagen, ich bin jeden Tag begeistert, was mich hier erleben darf.
00:03:33: Die Vielfalt, die Expertise, die unglaubliche Kompetenz gerade auch bei der KAN, die sonst eben keiner hat.
00:03:40: Und das ist auch etwas was die Unfallversicherung und der Bereich Arbeitsschutz wieder besonders macht und von daher bin ich noch ein bisschen in der Lernphase gar keine Frage.
00:03:49: Aber ich glaube, ich fühle mich schon ganz wohl und schwimme schon ganz ordentlich mit in dem Bereich im SGB VII.
00:03:56: Da haben Sie ja die nächste Frage schon ein bisschen vorweggenommen, wie Sie die DGUV und auch die KAN in den letzten Monaten kennengelernt haben,
00:04:03: aber vielleicht kann ich daran anschließen.
00:04:06: Wie haben sie die erste Information über uns, die Kommission Arbeitsschutz und Normung überhaupt erhalten?
00:04:12: War Ihnen das schon von Anfang an bewusst, dass Sie da auch eine Aufgabe wahrnehmen?
00:04:17: Also mir war bewusst, dass sich hier eine Aufgabe übernehmen darf, die
00:04:21: ja, auch wieder besonders ist, natürlich mit Blick gerade auch international auf europäischer Ebene.
00:04:26: Ich glaube das ist auch nochmal wichtig,
00:04:27: wir kommen vielleicht auch später im Gespräch noch mal drauf zurück.
00:04:30: Ganz ehrlich war mir nicht ganz klar, was es genau bedeutet, was sich dahinter alles verbirgt.
00:04:35: Allerdings hatte ich die Chance gleich zu Beginn in meiner Antrittswoche wenn man so will in Sankt Augustin auch gleich bei der Geschäftsstelle vorbeizukommen und dort schon die ersten Gespräche zu führen, den ersten Einblick zu bekommen.
00:04:47: Also von daher kann ich sagen, die KAN kann habe ich hier nicht nur in den ersten Monaten kennengelernt, sondern schon fast in den ersten Tagen, da habe ich sie kennenlernen dürfen.
00:04:54: Was natürlich auch als Geschäftsführer nicht verkehrt ist des Vereins, der ein Großteil der Finanzierung leistet.
00:04:59: Also von daher war das auch von der Funktion her glaube ich ganz gut aber auch vom Inhalt her, weil es ist schon vielleicht so, wie hat Frau von der Leyen ja mal selber gesagt zur Unterversicherung ist ja so der stille Zweig des Sozialversicherungen und innerhalb des relativ stillen Zweigs der Sozialversicherung mit der Unfallversicherung gibt's dann nochmal so stille Elemente die man gar nicht als Bürger oder auch Interessierter oder als Arbeitgeber sofort wahrnimmt.
00:05:24: Die KAN gehört auf jeden Fall dazu und man würde es aber sofort merken, wenn was fehlen würde.
00:05:29: Und ich glaube das ist der Punkt.
00:05:30: Das ist ein wichtiges Element, was man im Alltag vielleicht nicht wie in einer Zeitung liest oder irgendwo sich nach vorne spielt.
00:05:40: Aber ich kann allen versprechen, in dem Moment wo etwas nicht mehr da ist,
00:05:44: da würden sie es sofort bemerken eben auch für die KAN so ein Merkmal, für die Unfallversicherung.
00:05:50: Auch weil sie gefragt haben, wie meine ersten Monate und der Start noch war.
00:05:57: Also wie gesagt die Vielfalt und diese Expertise und diese Genauigkeit auf die Tiefe und immer den Menschen Mittelpunkt,
00:06:05: das ist auch etwas, was besonders ist, weniger die dicke Systemfrage über eine Krankenversicherung bei einer BA vielleicht noch bei einer Rente oder sowas.
00:06:13: Hier geht es ganz viel um den Menschen.
00:06:15: Auch die Forschung, sei's im IPA in Bochum oder beim IFA in St.
00:06:18: Augustin und auch bei der KAN.
00:06:20: Am Ende geht's darum, Menschen was Gutes zu tun, Menschen zu schützen und damit auch Arbeitgeber natürlich zu schützen, die ja auch den wesentlichen Teil davon finanzieren.
00:06:29: Ich glaube das ist das, was mir aufgefallen ist und wo ich jeden Tag weiter daran arbeiten darf und lernen darf.
00:06:38: Und ich glaube ein bisschen etwas vor mir aber ich bin schon sehr glücklich das erlebt zu haben oder erleben zu dürfen, was ich erlebt habe.
00:06:47: Ja super!
00:06:47: Vielen Dank für die Würdigung unserer Arbeit.
00:06:49: Wie Sie sagen wir sind vielleicht nicht immer ganz vorne dabei und sind so präsent für alle Menschen.
00:06:55: Wir arbeiten daran gerade auch hier mit so einem Podcast, aber dass ist immer noch mal gut das von außen zu hören.
00:07:02: Was sind für sie die drei wichtigsten Präventionsthemen also Themen in der Prävention der Unfallversicherung,
00:07:10: die sie jetzt angehen wollen mit Ihrer neuen Stellung?
00:07:14: Also ich glaube Präventionsthemen, die Schwerpunkte verändern sich nicht nach aktuellen politischen Entwicklungen oder nach Börsen und so was, sondern das sind Themen, die ja bei uns alle auf einem guten Fundament sind und dadurch auch als Schwerpunkt bleiben und verfestigen, wo dann alle mitwirken, sei es die KAN, seien es die Forschenden
00:07:37: usw.,
00:07:40: Für mich jetzt im Moment, oder die ich auf den nächsten Zeit für einen als Schwerpunkt sehe, ist natürlich schon ganz klar und nicht nur wegen des jetzigen Sommers.
00:07:49: Das ist schon der Hitzeschutz.
00:07:51: Da können wir reinventen wie wir wollen.
00:07:53: Also wer davor die Augen verschließt, dass wir auch nationaler und europäischer Ebene da noch viel mehr machen müssen, dass wir die Expertisen die wir seit Jahren auch bei uns im Haus haben,
00:08:03: das heißt beim IFA, sei es beim IPA, sei es aber auch durch die Forschungsförderung, die wir woanders machen.
00:08:11: Wer da die Augen verschließt, diese Ergebnisse ernst zu nehmen, wahrzunehmen aufzunehmend und dann umzusetzen – auch in Normen,
00:08:17: auch in Regeln.
00:08:19: Ich glaube der ist auf dem falschen Weg.
00:08:22: Ich sage das schlicht und ergreifend so.
00:08:23: Also das heißt, Hitzeschutz ist für mich auf jeden Fall eins der Top-Themen, mir denen uns befassen müssen.
00:08:28: und das nicht nur seit diesem Sommer?
00:08:30: Wir haben das schon seit Jahren bei uns als ein Schwerpunktthema und das muss weiter ausgebaut werden und vor allem auch in die Umsetzung kommen.
00:08:36: Das zweite Thema, was glaube ich sehr wichtig ist,
00:08:39: ein Schwerpunkt in der Prävention ist schon die Gefährdungsbeurteilung.
00:08:42: Dort nicht unbedingt ein Mehr – das glaube ich gar nicht!
00:08:46: Ich glaube bei der Gefährdungsbeurteilung wird es wichtig sein, dass wir mehr in die Risikoorientierung kommen.
00:08:50: D.h.,
00:08:50: dort die Gefährdungsbeurteilungen beibehalten, ausbauen, wie auch immer, wo es das Risiko eben auch hergibt aber auch dort gucken, wo wir sagen, das ist vielleicht nicht notwendig und, dass wir dort entsprechend zurückgehen.
00:09:02: Das heißt, ich glaube, die bedarfs- und risikoorientierte Gefährdungsbeurteilung wird für mich auf jeden Fall auch ein Schwerpunkt sein, wo ich unbedingt hin möchte.
00:09:09: Nichts mit der Gießkanne, das hilft gar keinem, sondern hier müssen wir viel viel zielorientierter aus meiner Sicht vorgehen um auch die Ressourcen zu schonen, aber eben auch, um trotzdem die Sicherheit entsprechend dabei zu behalten.
00:09:21: Und das dritte Thema ist schon auch die psychische Gefährdung in dem Wandel unserer Arbeitswelt.
00:09:28: Sie wandelt sich, wir sehen: Podcasts, gab es vor zehn Jahren auch nicht.
00:09:31: Jetzt haben wir Podcasts!
00:09:33: Wir haben ganz andere technische Möglichkeiten, mit denen wir arbeiten und ich sag mal so, die KI wird uns auch noch einmal richtig das Leben verändern und zwar jeden Arbeitsplatz und das wird einfach bedeuten, dass wir hier schon schauen müssen,
00:09:46: was können wir tun in der Prävention, um diese veränderten Belastungsfaktoren, auch die kommen, denen gut zu begegnen mit Präventionsmaßnahmen die eben auch wirken?
00:09:57: Also das sind vielleicht drei.
00:09:58: Wenn sie gesagt hätten, dreißig, wäre es mir lieber gewesen, aber ich kann auch mit den drei jetzt erstmal glaube ich so drei Schwerpunkte setzen, mit denen wir in der Prävention wirklich voran kommen müssen und auch wollen und auch schon schwer daran arbeiten.
00:10:13: Wie schon im Intro erwähnt, sind Sie ja gleichzeitig der Geschäftsführer des VFA, also das Vereins zur Förderung der Arbeitssicherheit in Europa.
00:10:21: Der VFA ist ja der Träger, der KAN.
00:10:23: Also wir kümmern uns um Arbeitsschutz in Verbindung mit der Normung.
00:10:27: Welche Bedeutungen haben Normen aus Ihrer Sicht für den Arbeitsschutz und wo sehen sie auch den Mehrwert der KAN für die Unfallversicherung?
00:10:35: Das sind natürlich wieder zwei große Fragen.
00:10:37: Stimmt!
00:10:42: Die KAN nimmt eine ganz wichtige und besondere Stellung ein, die man nicht unterschätzen darf.
00:10:49: Aber von den Fachleuten natürlich auch nicht unterschätzt wird, sondern sehr gewürdigt wird.
00:10:52: Und zwar das Umsetzen von Arbeitsschutz in Normen.
00:10:57: Das ist gar nicht so einfach!
00:10:58: Das klingt vielleicht so einfach, dass ich irgendwo einfach eine Temperatur angebe aber es ist es überhaupt nicht.
00:11:06: Das muss sehr gut überlegt sein.
00:11:08: Wie kann ich eine Arbeitsschutzmaßnahme zum Beispiel im Bereich der Hitze oder der Wärme, wie kann ich das in einem Norm gießen?
00:11:15: Und dafür ist glaube ich ganz wichtig und deswegen ist die KAN da ganz wichtig, weil sie bündelt dort das Praxiswissen.
00:11:22: Wir haben wirklich den Sachverstand aus der Praxis.
00:11:26: Wir haben zugleich die Perspektive des Staates, was wichtig ist, von uns von der Unfallversicherung, unserer Expertise ist dabei, gemeinsam mit den Sozialpartnern.
00:11:36: Das heißt mit Arbeitgebern und mit der Versicherungsseite.
00:11:40: Und das zusammen, glaube ich, macht es so stark.
00:11:43: Und das macht das das Besondere bei der KAN, dass da quasi diese Umsetzung in die Normung stattfindet.
00:11:50: Dann das zweite ist, dass keine widersprüchlichen Regelungen stattfinden.
00:11:58: Auch das ist wichtig, wir kennen es alle aus verschiedensten Lebenssituationen: wenn zwei widersprüchliche Vorgaben aufeinander zukommen, wie unangenehm das ist.
00:12:07: Das ist glaube ich auch ganz wichtig, dass man das entsprechend rechtzeitig sieht und vermeidet und eben auch kein ja und einfach keine Konflikte entstehen zwischen einer Norm und dem tatsächlichen Arbeitsschutz.
00:12:19: aber das ist klar durch das Einbringen. Und das noch, damit nicht genug, auch noch auf europäischer Ebene, auf internationaler Wirkung.
00:12:27: Das garniert ja das Ganze, wenn man so will, und macht es dann nochmal besonders herausfordernd.
00:12:32: Aber ich glaube das ist schon ganz wichtig und dass wir dabei auch immer beachten was ist Recht?
00:12:39: Was kann die Technik?
00:12:40: Auch das ist wichtig, da kann man darauf achten, was eine technische Entwicklung, was kann man dort tun?
00:12:45: Ich glaube das macht einerseits sehr vielseitig aber eben auch entsprechend anspruchsvoll.
00:12:51: Normen werden ja hin und wieder auch mit Bürokratie in Zusammenhang gebracht.
00:12:55: Und mitunter als sehr bürokratisch wahrgenommen, wie sehen Sie das?
00:12:58: Wie steht die gesetzliche Unfallversicherung zur Normung?
00:13:02: Ja jetzt muss ich natürlich sagen... Ich bin ja wie vorhin gesagt, so ein Kind der Sozialversicherung, wenn man so eine Sozialpolitik und da sind halt nun mal die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Einbindung in einen Regelwerk und in eine Normung und in Normen - das gehört einfach dazu.
00:13:21: Sonst würde man ja Willkür und allem viel zu viel Freiheit lassen, das heißt also mich muss man nicht davon überzeugen dass Normung sinnvoll und
00:13:29: wichtig ist.
00:13:29: Es ist eher meine Aufgabe andere zu überzeugen, dass eben eine Bürokratie und eine Normung ganz wichtige Eckpfeiler sind.
00:13:36: Sie müssen natürlich...das ist schon ganz wichtig,
00:13:39: sie müssen immer hinterfragt werden, sie müssen immer weiterentwickelt werden Sie müssen sich anpassen an technische Änderungen.
00:13:46: Eine Digitalisierung, eine KI-Entwicklung wirkt sich aus auf Normen und das ist auch gut so.
00:13:52: Und das müssen wir selber in der Hand haben,
00:13:54: d.h.,
00:13:55: für mich ist es immer wichtig wenn von außen kommt: "Ihr mit euren Normen,
00:13:59: das ist ja wahnsinnig viel und so kompliziert und wahnsinnig viel Bürokratie". Dann sage ich: "nein, nein, ganz im Gegenteil!"
00:14:05: Wir geben euch den Rahmen, das Skelett, dass ihr gut arbeiten könnt und ich möchte mal vielleicht nicht an einer Arbeitsschutznorm, man kann es ja auch an einer praktischen Norm festlegen: wenn sie ein Haus bauen und sie lassen das Dach decken von der Firma, keine Ahnung, aus Frankreich.
00:14:21: Und dann lassen Sie die Regenrinne machen von einer deutschen Firma, ja das wird nur klappen wenn die Normen da sind, dass es auch ineinander übergeht.
00:14:30: Ansonsten wird's nicht klappen.
00:14:33: Das heißt, europäische Normen sind eben der Grundpfeiler dafür, dass das in dem Land geht.
00:14:38: Und bei einem Hausbau ist das nicht anders als beim Arbeitsschutz.
00:14:41: Das muss eben funktionieren.
00:14:42: Es wird nicht klappen, wenn das eine Land einen Vierzehnstundentag an das andere einen Siebenstundentag.
00:14:47: Dann wird es irgendwann nicht mehr klappen.
00:14:49: Also von da, wir müssen schon gucken, dass wir hier gut zueinander kommen, gut beieinander sind und deswegen: Normen erleichtern aus meiner Sicht, sind auch Mehrwert für unsere Volkswirtschaft.
00:15:00: Deswegen ist mir ganz wichtig, dass wir den Begriff positiv besetzen.
00:15:06: Dass wir sagen Normung ist was Gutes.
00:15:08: Das ist auch ein positiver Wirtschaftsstandortfaktor.
00:15:12: Es ist kein negativer!
00:15:15: Leider in der aktuellen Diskussion haben wir aber manchmal den Eindruck, es wird alles in einen Topf geworfen und dann gibt es einfach einen negativen Touch.
00:15:21: Aber da sage ich immer unser Fundament ist gut!
00:15:24: Wir müssen's einfach mit Selbstbewusstsein nach außen tragen.
00:15:26: Genau, Normung ist ja auch noch zusätzlich freiwillig in der Anwendung und erleichtert eben vieles.
00:15:33: Wie Sie das ja auch schon erwähnt haben – und, dass es ja auch so was wo wir uns als KAN immer stark für machen so ein bisschen Lobbyismus für den Arbeitsschutz in der Normung und auch für Normen selbst zu machen weil sie Dinge erleichtern statt sie zu erschweren wie Sie das auch schon angesprochen haben.
00:15:51: Das Thema Bürokratieabbau betrifft die Unfallversicherung ja auch generell jetzt außerhalb vom Thema Normung.
00:15:57: Viel Kritik kommt von außen, die Presse springt manchmal auf bestimmte Themen auf.
00:16:03: Welche sind aus Ihrer Sicht die größten Missverständnisse in der öffentlichen Wahrnehmung?
00:16:08: Ja ist eine wirklich... Man erlebt es schon so manches.
00:16:12: Also vielleicht in den letzten knapp zwölf Monaten rückblickend würde ich sagen also eines der allergrößten Missverständnissen ist der Leiterbeauftragte.
00:16:20: Ja,
00:16:20: das stimmt.
00:16:22: Wie viel haben wir darüber diskutieren müssen?
00:16:24: Das ist genauso was, wo einfach in einen Topf geworfen wird und überhaupt nicht hinterfragt wird:
00:16:28: Stimmt es eigentlich oder nicht?
00:16:29: Aber alle springen drauf auf, die Presse springt auf, Politiker springen auf und am Ende muss man einfach sagen: gibt's ja nicht mal.
00:16:35: also von daher, dass es genau sowas alles auch wie sie auch gesagt haben, es ist freiwillig, ist im Ermessenspielraum.
00:16:40: Aber ich finde, es ist doch auch logisch, wenn ich einen Dachdeckerbetrieb habe und meine Mitarbeiter schicke ganz hoch aufs Dach, ja da muss jemand die Leitern beaufsichtigen und gucken, ob die gut sind oder nicht.
00:16:50: Aber das macht er ganz freiwillig,.
00:16:52: aber wenn es eine Norm gibt wie eine gute Leiter aussehen könnte, ja kann man doch froh sein.
00:16:58: Also von daher ist für mich da wirklich rätselhaft und eins auf jeden fall der Top-Missverständnisse, die ich in der öffentlichen Wahrnehmung wahrgenommen habe.
00:17:06: und ein zweites ist, glaube ich, auch dass Missverständnis, dass viele glauben für sie gelten alle Normen.
00:17:15: Das ist so ein bisschen, wir haben auch bei der Unfallversicherung dieses Vorschriften- und Regelwerk und wenn jemand, man kennt ja ein paar Leute, die auch in Unternehmen gründen, wenn sie sagen:
00:17:22: Ja ihr habt tausenddreihundert Vorschriften, wie soll ich da ein Unternehmen gründen?
00:17:26: Ja, ganz in Ruhe: davon sind vielleicht zwei Prozent relevant.
00:17:30: Das heißt also wir haben ein hohes Missverständnis davon,
00:17:33: was ist eigentlich für mich bedeutsam und auch für mich verbindlich und was ist für mich einfach Ermessen oder entbehrlich, was ich auch vorhin angesprochen habe bei der Arbeitsschutznormung.
00:17:43: Also von daher, das ist für mich ein ganz großes Thema und dann kommen natürlich auch viele die sagen, ja aber wenn du ganz sicher sein möchtest, dann machst du alles was so drin steht.
00:17:51: Ja und dann sagen zu Recht Arbeitgeber, und das finde ich auch, das ist ja wahnsinnig viel, aber das müssen sie gar nicht.
00:17:58: Das heißt, dass es, deswegen der dritte Punkt, der für mich wichtig ist beim Missverständnis schon was eigentlich verbindlich und was eigentlich ein Ermessensspielraum.
00:18:05: Da ist glaube ich ein ganz großes Missverständnis bei Beteiligten, auch in der Öffentlichkeit, bei Arbeitgebern und Unternehmen.
00:18:14: Was ist eigentlich wirklich für mich verbindlich und wo liegt es an mir, ob ich's mache oder nicht?
00:18:19: Und das mit gesunden Menschenverstand.
00:18:22: Das vielleicht so als drei Missverständnisse die mir aufgefallen sind. Es gibt bestimmt noch viel mehr, aber diese sind jetzt die mehr so die doch wo ich fand die waren sehr prägend.
00:18:32: Auf jeden Fall,
00:18:33: ja.
00:18:34: Zum Abschluss hätte ich noch gerne einen Blick von ihnen in die Glaskugel.
00:18:37: Wo steht der Arbeitsschutz in fünf Jahren?
00:18:40: In fünf Jahren.
00:18:41: Das ist gar nicht so lang hin, muss man ehrlichkeitshalber sagen.
00:18:44: Einerseits sind die Entwicklungen rasend,
00:18:48: also wenn ich jetzt sehe, wie in den letzten fünf Jahren sich mein Arbeitsplatz verändert hat zu heute, da würde ich sagen das ist echt eine gravierende Veränderung und die wird noch mit einer größeren Geschwindigkeit sein mit KI und Co.
00:19:01: Also deswegen denke ich der Arbeitsschutz wo wird das sein?
00:19:03: Er wird auf jeden Fall digitaler sein.
00:19:06: Er wird und dafür setze ich mich auch ein, risikoorientierter sein.
00:19:10: Also dort, wo notwendig auch mit aller Klarheit und Unmissverständlichkeit.
00:19:16: Dort wohl nicht notwendig dann entsprechend nicht.
00:19:19: Ich glaube er wird auch praxisnäher sein.
00:19:22: Die öffentliche Diskussion sorgt schon dafür, dass wir noch besser vermitteln müssen, wie wichtig der Arbeitsschutz ist, wo er ist und, dass es eigentlich auch im Sinne des Arbeitgebers ist, ein hoher Arbeitsschutz.
00:19:40: Aber so verstehen sich auch Unternehmer, die sagen ja natürlich will ich meinen Mitarbeiter schützen weil ich kann ihn nicht ersetzen einfach wenn er verletzt oder wenn ihm was passiert.
00:19:47: also das macht schon alles Sinn.
00:19:49: Also deswegen ich würde sagen digitaler Praxis näher und risikoorientiert das wären so die Stichworte und dass aber unter dem Blick und dem Ziel dass wir natürlich unser Sicherheitsniveau halten.
00:20:02: Es kann sich keiner erlauben, dass unsere Arbeitsunfallzahlen nach oben gehen.
00:20:05: Das ist glaube ich völlig klar.
00:20:07: Also werden wir weiter daran arbeiten, jeden Tag mit jedem Euro in der Prävention auch im Arbeitsschutz.
00:20:14: Und gerade in dem Bereich dafür sorgen, dass wir wirklich unsere mitarbeitende Kolleginnen und Kollegen uns versichern, dass sie alle einfach gut schützen.
00:20:22: Ja, das klingt doch noch ein sehr positiven Ausblick würde ich sagen.
00:20:26: Vielen Dank für das Gespräch!
00:20:27: Sehr gerne.
00:20:28: Ich sage auch nochmal vielen, vielen Dank und wünsche einfach einen guten und sicheren Arbeitstag.
00:20:34: Und vielen Dank von Rymon Lipinski für diesen Podcast und für diese Interview.
00:20:39: Danke auch Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörern, dass Sie heute wieder mit dabei waren!
00:20:44: Weitere Informationen zum Beispiel zur DGUV und zum VFA finden sie in der Folgenbeschreibung.
00:20:49: Wenn Sie eine Frage an uns haben oder ein Thema für eine Podcastfolge vorschlagen möchten dann schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an podcast@kan.de Um keine Folge zu verpassen, abonnieren Sie doch den KAN-Podcast am besten und geben sie uns auch gerne eine Bewertung.
00:21:05: Bis zum nächsten Mal!
00:21:06: Wir freuen uns wenn Sie dann wieder dabei sind.